„Apathie ist eine sehr gefährliche Sache“

The Blinders

The Blinders | (v.l.) Charlie MCGough, Thomas Haywood, Matthew Neale | Photo: (c) Nasty Man Creations

 

„Apathie ist eine sehr gefährliche Sache“

Das aus Doncaster (UK) stammende Trio gründete sich Ende 2014 bevor es nach Manchester zog. Mit einer Mischung aus politischem Punk und psychedelischer Lyrik gelang es dem Sänger und Gitarristen Thomas Haywood, dem Bassisten Charlie McGough und Drummer Matthew Neale 2017 die britische Musikwelt zu erobern. Ihr Debütalbum „Columbia“ wurde von Gavin Monaghan produziert und im Herbst 2018 in Großbritannien veröffentlicht. Vor kurzem spielten sie auf dem SXSW Festival in den USA und gehen Ende April auf große UK und Deutschland Tour. Ich hatte die große Chance die Band vor ihrer Abreise zu interviewen.
(Please scroll down for English)

 

Ihr seid gerade erst aus den USA zurück gekommen und habt beim SXSW gespielt. Wie war es dort und welche Eindrücke hatten ihr?
TH: Es war eine wundervolle Erfahrung, ein Highlight für uns bisher und etwas, was wir gerne wieder erleben möchten. Viele Leute fragen uns, wie wir bei dem amerikanischen Publikum angekommen sind, aber aufgrund der Menge an Leuten aus der Musikindustrie während des Festivals ist es schwer zu sagen. Das Publikum war jedoch aufgeschlossen, so dass wir mit dem Verlauf zufrieden sind.
Wie habt ihr euch kennen gelernt und was hat euch dazu motiviert eine Band zu gründen?
MN: Wir kamen alle in der Secondary School zusammen. Es gab nicht viele dort, die ein echtes Interesse daran hatten, gemeinsam Musik zu machen. Man könnte also sagen, dass wir von dieser Tatsache zusammengehalten wurden. Als wir alle etwas älter wurden, fühlte sich die Zeit genau richtig an, eine Band zu gründen. Wenn du so eine große Leidenschaft für Musik hast, so wie wir es haben / hatten unsere eigene Band zu gründen, ist das ein logischer und natürlicher Schritt. Ich denke, dass alle Musikliebhaber diesen Traum in irgendeiner Form haben. Wir haben das Glück, dies zu leben.
Die schwarze Gesichtsbemalung auf dem Frontcover eures Debüt Albums „Columbia“ trägt Thomas auch in den Musikvideos „Gonna Get Through“ und „Brave New World“. Wer hatte die Idee zu dieser Bemalung? Und symbolisiert diese etwas für euch?
TH:  Das Konzept symbolisiert gewissermaßen einen Charakter, den wir uns als ‚Johnny Dream‘ ausgedacht hatten.  Es ist schön, einen Charakter zu haben, der die Erzählung auf „Columbia“ verkörpert. Was die Farbe selbst symbolisiert, da sind wir uns nicht wirklich sicher. Es ist jedoch aufregend, welche Abschnitte du durchläufst, wenn du während der Show physisch zu jemand anderem wirst.
Warum habt ihr euer Debütalbum „Columbia“  genannt? Gibt es dazu eine Hintergrundgeschichte?
CM: „Columbia“ bezieht sich auf die Vorstellung von einer „neuen Welt“. Offensichtlich hat uns das Album in dystopische Sprache und Themen gehüllt. „Columbia“ fühlte sich als ein passender Titel an, um diesen Begriff der Dystopie zu vermitteln.
The-Blinders-Columbia

The Blinders – „Columbia“ Front cover

Ihr seid seit zwei Jahren ohne Unterbrechung unterwegs, habt live gespielt und wart im Studio. Möchtet ihr da nicht manchmal eine Pause machen?
MN: Um ehrlich zu sein, verabscheuen wir lange Pausen, da wir uns dann langweilen und anfangen, keinen Sinn zu sehen. Trotz „SXSW“ und ein paar Reisen nach Europa hier und dort hat sich dieses Jahr unerträglich langsam angefühlt, wenn man sich anschaut, was andere Bands machen. Aber mit der Zeit werden die Shows größer, die Geduld und das Zähne zusammenbeißen wird sich hoffentlich auszahlen.
Ihr seid noch sehr jung und hattet viel Glück. Habt ihr diesen Erfolg des Debüt Albums erwartet?
CM: Sicher nicht, wie du schon sagtest, wir hatten Glück. Von Zeit zu Zeit haben alle Glück, es kommt nur  darauf an, was man daraus macht, und ich denke, wir sind alle sehr zufrieden mit dem, was wir aus unserem gemacht haben.
Habt ihr schon ein zweites Album in Planung? Wenn ja, wird es wieder so kritisch werden?
TH: Album Zwei ist sehr weit fortgeschritten. Wir haben im letzten Sommer mit dem Schreiben begonnen und tun dies bis heute. Um kritisch zu sein, muss man sich auf die Welt um sich herum einstellen können; Apathie ist eine sehr gefährliche Sache, und wir entschuldigen uns nicht dafür, kritisch zu sein.
Eure Musik ist von Leonard Cohen und George Orwell beeinflusst. Was fasziniert euch an beiden?
Alle: Wenn du beide zusammenfassen möchtest,  beide sind unglaubliche Geschichtenerzähler. Das Lesen von Orwell’s „Nineteen Eighty Four“ verändert das Leben und das ist keine Übertreibung. Auch wenn sie nicht so berühmt sind wie dieser Roman, können seine Essays unglaublich inspirierend sein und seine Zeit in Spanien während des Bürgerkriegs ist faszinierend. Cohen braucht keine ausführliche Erklärung, damit man sein Lebenswerk hören will; und es ist wirklich ein Lebenswerk, das ist nur einer der vielen Aspekte, die so inspirierend an ihm sind; und die Art und Weise, wie er  es bis zu seinem Tod geschafft hat unglaubliche Arbeiten zu kreieren. Es scheint, dass alle großen Künstler dies auf irgendeine Weise tun, David Bowie, Townes Van Zandt, Joe Strummer, Lennon … Nick Cave und Bob Dylan werden zweifellos dasselbe tun. Das ist etwas, was wir alle zur Kenntnis nehmen müssen.
Eurer Album ist sehr politisch. In euer neuen Single „Rat In A Cage“ gibt es jedoch noch Hoffnung für die Menschheit. Glaubt ihr, wir können es zum Guten wenden? Oder ist es bereits zu spät?
CM: In einer Gesellschaft wie heute ist es schwierig sich nicht auf das Negative zu fokussieren, da diese zu oft ihr häßliches Gesicht zeigt. Mit „Rat“ war es ein Versuch, die Menschen dazu zu bewegen, zu handeln und zu betonen, dass durch kollektives Handeln dauerhafte Veränderungen erreicht werden können. Da es zu spät ist, will das sicherlich niemand hören. Es scheint jedoch, dass wir uns an einem entscheidenden Punkt in der Geschichte befinden, an dem dringend Handlungsbedarf besteht. Sowohl das politische als auch das wirtschaftliche System müssen ernsthaft aufgerüttelt werden. Nur wenn dies geschieht, werden die wirklichen Probleme der Welt angegangen.
Ende April geht es auf  UK- und Deutschland Tour. Seid ihr schon aufgeregt? Was erwartet das Publikum?
TH: Wie schon erwähnt, nicht unterwegs zu sein, ist unsere Vorstellung von Tortur, daher beantwortet sich diese Frage wahrscheinlich von selbst. Wir haben viel darüber nachgedacht, wie wir dem Set eine neue Dynamik verleihen können, also freuen wir uns sehr darauf, das auch auszuprobieren. Wir werden auch ein paar Songs spielen, die noch keiner zuvor gehört hat.
Wart Sie schon einmal in Deutschland? Werdet ihr Zeit haben, euch die Städte genauer anzusehen?
TH: Nur kurz zum Vergnügen. Hoffentlich haben wir diesmal Zeit, etwas mehr darüber zu erfahren. Nachdem man uns lange gesagt hat, es sei ein sehr angesagter Ort, freuen wir uns nur noch umso mehr darauf.
Interview: Christina Angrabeit

„Apathy is a very dangerous thing“

The from Doncaster (UK) based trio was formed in the late 2014 before they moved to Manchester. With a mix of political punk and psychedelic lyrics, vocalist and guitarist Thomas Haywood, bassist Charlie McGough, and drummer Matthew Neale conquered British music culture in 2017. Their debut album Columbia was produced by Gavin Monaghan and released in the UK in the end of autumn 2018. They recently played at the SXSW Festival in the US and will tour the UK and Germany at the end of April. I had the great chance to interview the band before their departure.
You have just come from the US and played at the SXSW. How was it there and which impressions did you have?
TH: It was a wonderful experience, a highlight for us so far and one we are eager to recreate. A lot of people ask how we went down with an American audience but due to the amount of industry at the festival it’s difficult to say. The audiences however were certainly receptive so we were happy with how it went.
How did you get to know each other and what motivated you to start the band?

MN: We all came together at Secondary School. There weren’t too many of us who had a real interest in playing music together so you could say we were stuck with one another by the powers that be. When we all got a little older the time felt right to start a band properly. When you are as passionate about music as we were/are starting your own band is a logical and natural step. I think all music lovers have that dream in some way shape or form. We’re lucky enough to be living it.

The black face painting on the frontcover of your debut album „Columbia“ also carries Thomas in the music videos „Gonna Get Though“ and „Brave New World“. Who had the idea for this painting? And does it symbolise something for you?
 
TH: The concept in a sense would symbolise a character we thought up called ‚Johnny Dream‘. It’s nice to think that he became the narrative throughout some of the songs on Columbia. What the paint itself symbolises, well we’re not really sure; though the lengths you will go to when physically becoming somebody else whilst performing is exciting.
Why did you call your debut album „Columbia“? Is there a background story about this?
CM: Columbia refers to a notion of a ‘new world’. Obviously the album us shrouded in dystopian language and themes. Columbia feels a fitting title to introduce this notion of dystopia.
You’ve been traveling nonstop for two years, have performed live and been in the studio. Do you want to take a break sometimes?
 
MN: In all honesty, taking long breaks are something we loathe as we get bored and start to feel no sense of purpose. Despite SXSW and a few trips to Europe here and there, this year has felt unbearably slow when looking at what other bands are doing. But with the nature of the larger shows coming up in the future, the patience we are bearing through gritted teeth will hopefully pay off.
You are still very young and had a lot of luck. Did you expect the success of your debut album?
CM: Certainly not, as you say we’ve had a fair share of luck. Everyone get’s lucky once in a while, it’s what you do with it that matters and I think we are all very satisfied with what we did with ours.
Do you have a second Album in planning? If so, will it become critical again?
 
TH: Album two is very much under way. We began writing last summer and are still doing so up to the present day. To be critical is to be switched on to the world around you; Apathy is a very dangerous thing and so we’ll make no apologies for being critical.
Your music is influenced by Leonard Cohen and George Orwell. What fascinates you about both?
 
All: If you’d like to group both of those examples, then both are incredible story tellers. Reading Orwell’s „Nineteen Eighty Four“ is life changing and that’s not just hyperbole. Even away from something as famous as that novel, his essay’s can be incredibly inspiring and his time in Spain during the Civil War is fascinating. Cohen needs no in depth explanation other than to simply listen to his life’s work; and it really is a life’s work which is one of the aspects so inspiring about him and the way he continued to create mind blowing pieces of work right up to his death. It seems all great artist do this in some way, David Bowie, Townes Van Zandt, Joe Strummer, Lennon… Nick Cave and Bob Dylan will no doubt do the same. That’s something for us all to take note of.
Your album is very political. However, in your new single „Rat In A Cage“, there are still hopes for humanity. Do you think we can do it for the better? Or is it already too late?
 
CM: In a society like this it can be heard not to focus on negatives when it rears its ugly head so often. With „Rat“, it was very much an attempt at a call for people to act and stress that through collective action lasting change can be achieved. In regards to it being too late, well certainly nobody wants to hear that. It does however seem like we’re at a pivotal point in history, a point where action is desperately needed. Both the political and economical system need a serious shake up and only when this happens will the real troubles of the world be addressed.
At the end of April you go on UK and Germany tour. Are you already excited? What does the public expect?
 
TH: As we mentioned, not being on the road is our idea of torture so the question probably answers itself. We’ve thought a great deal about how we can inject a new dynamic to the set so we’re very much looking forward to trying that out. We’ll also be throwing a few songs no one will have heard before.
Have you been to Germany before? Will you have time to take a closer look at the cities?
 
TH: Only briefly on accounts of pleasure. Hopefully we get time to explore a little more on top of that. After being told for a long time it’s the place to be, we’re only looking forward to it even more.
Interview: Christina Angrabeit

Tourdaten:

26.04.19 – BIRMINGHAM -O2 INSTITUTE

27.04.19 – MANCHESTER- O2 RITZ

28.04.19 -GLASGOW-ST. LUKE’S

30.04.19-LONDON-SCALA

07.05.19- KöLN-MTC

08.05.19-HAMBURG -MOLOTOW SKYBAR

09.05.19- BERLIN – CASSIOPEIA

Eine Antwort zu “„Apathie ist eine sehr gefährliche Sache“

  1. Pingback: The Columbia Tour Continues – Anno Domini 2019 – Vanadian Avenue·

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