Vom Grunge zur elektronischen Musik

Hamburg. Am 23. September 2022 erscheint das neue Album „LooP“ des aus Hamburg stammenden Projekts Kasper Hate. Wie das Projekt entstand, wo die Verbindung zum Grunge liegt und was euch auf „LooP“ erwartet, erzählte mir Björn Persigla in einem persönlichen Interview.

Kasper Hate – LooP | Artwork: copyright Paul Campbell 

Interview von Christina Angrabeit

CA: „Hallo Björn, als Erstes einmal herzlichen Dank, dass du dir für dieses Interview die Zeit nimmst.

Björn P.: „Hallo Christina, ich habe zu danken.“

CA: „Erzähl doch bitte, wie das Projekt Kasper Hate entstanden ist und wer dahinter steckt?

Björn P.: „Hinter Kasper Hate verbergen sich Björn Persigla und Thorsten Kulicke. Ich für meinen Teil komme eher aus der Grunge, Trip Hop und Industrial Ecke, während sich Thorsten mehr bei House und Techno zu Hause fühlt und auch früher selbst in Clubs aufgelegt hat. Wir haben uns seinerzeit über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt. Entstanden ist Kasper Hate aus der eher fixen Idee, unsere beiden doch recht unterschiedlichen Musikgeschmäcker zusammenzubringen.“

CA: „Wie lange gibt es Kasper Hate schon und wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Björn P.: „Kasper Hate gibt es nun seit gut zehn Jahren. Der Name ist auch eher meiner musikalischen Wurzeln geschuldet. Ich mochte die Idee eines eher typischen Generation X Namens, wie Courtney Love. Kasper Hate war recht schnell gesetzt.“

CA: „Wie würdest du euren Musikstil beschreiben?

Björn P.: „Wenn ich es unter einem Begriff zusammenfassen müsste, würde ich eventuell New Retro Electro sagen. Sideline hat unseren Stil mal in einer Review so bezeichnet und ich fand das irgendwie sehr passend. Retro deswegen, weil wir schon sehr bewusst mit unseren unterschiedlichen Genreeinflüssen experimentieren und spielen. Ob das nun Anleihen aus Synthpop, Trip Hop, Industrial, EBM oder auch Trance sind. Der Oberbegriff dürfte aber schon Electro beziehungsweise elektronische Musik sein.“

CA: „Am 23. September 2022 erscheint das neue Kasper Hate Album „LooP“ . Was unterscheidet „LooP“ von euren Vorgängeralben?

Björn P.: „Ich glaube, der größte Unterschied besteht in der Unterschiedlichkeit der einzelnen Songs. Und vielleicht sogar in der Zugänglichkeit. Ich denke, wir haben alle möglichen Einflüsse und Genres zu einem stimmigen Ganzen vertüftelt und trotzdem würden wir sagen, dass „LooP“ ein ganz typisches Kasper Hate Album ist.“
 
CA: „Wie lange habt ihr gebraucht um „LooP“ fertig zu stellen? Habt ihr das Album selbst produziert?

Björn P.: „An „LooP“ haben wir schon gearbeitet als die Deluxe Edition unseres letzten Albums „Violent Violet“ in den Startlöchern stand. Also alles in allem wahrscheinlich so round about zweieinhalb Jahre. Wir machen immer noch alles selbst, ja. Von der Produktion über das Mastering bis hin zum Schneiden der Videos und auch der gesamten Promotion, da wir mittlerweile alles rein vertrieblich veröffentlichen. Das ist zwar zeitaufwändig und auch immer wieder eine kleine Herausforderung. Aber man lernt permanent dazu, gerade was das Mastering angeht. Der große Nachteil an fehlender Promotionsmaschinerie ist ohne Frage, dass es wesentlich schwieriger ist, (neue) Hörer zu erreichen.“

Kasper Hate Lighthouse (SOS) | Artwork: copyright Grandfailure

CA: „Was ist sind eure Lieblingssongs vom neuen Album und warum?

Björn P.: „Mein Lieblingssong hat sich erst herausgestellt, als das Album schon in der Vor-Veröffentlichngsphase war. Damals haben wir Lighthouse nochmal komplett umgekrempelt, weil wir beide das Gefühl hatten, dass das ursprünglich geplante Endprodukt der Songidee noch nicht ganz gerecht wurde. Das Ergebnis „Lighthouse (SOS)“ hat sich heimlich zu meinem Lieblingssong gemausert. „We Are The Horrible People“ wiederum, ist auf jeden Fall mein Lieblingssong, was die Aussage oder Message angeht. Wir Menschen in unserem Egoismus und unserer damit einhergehenden oder auch gewollten Blindheit sind manchmal einfach schreckliche Menschen…
Thorsten steht wiederum besonders auf „Lust“ und „Enigma“.“

CA: „Warum habt ihr das Album „LooP“ genannt?

Björn P.: „Wer unsere vorangegangenen Releases kennt, dem dürfte schon aufgefallen sein, dass wir gerne mit Gesangsloops arbeiten. Das ist teils so charakteristisch, dass daraus auch der Titel des Albums entstand. Darüber hinaus ist der Titel auf dem Album so geschrieben, dass sich daraus auch das Wortspiel „LP“ ableiten lassen könnte. Das fanden wir zusätzlich recht charmant. Und mal ehrlich, LooP hat einfach einen sehr schönen Klang.“

CA: „Im Vorfeld hattest du erzählt, dass du in der Vergangenheit in einer Grunge Band gespielt hast. Es ist eher ungewöhnlich, dass jemand vom Grunge zur elektronischen Musik wechselt. Wie bist du zur elektronischen Musik gelangt?

Björn P.: „Nach ein paar Grunge Bands, in denen ich sowohl Gesang und Gitarre als auch mal Schlagzeug gespielt habe, kam eigentlich schon die erste Berührung mit elektronischerer Musik. Das Projekt hieß Dusty Star und ging schon eher in die Richtung Trip Hop. Da war weiteres Herumexperimentieren mit elektronischen Sounds und Einflüssen nicht mehr so weit entfernt. Als Thorsten und ich uns dann kennengelernt haben, enstand daraus dann ziemlich schnell Kasper Hate.“
 
CA: „Hörst du auch immer noch gerne Grunge?

Björn P.: „Absolut! Privat höre ich nach wie vor mit gleich bleibender Begeisterung die Grunge und Indierocksachen der späten 90er und frühen 2000er. Genau wie den Trip Hop von damals. Alben, wie „Live Through This“ von Hole oder „Dummy“ von Portishead, halte ich für absolute Meisterwerke.“
 
CA: „Du erwähntest in einem Gespräch vor diesem Interview, dass die Musik für Kasper Hate auf deiner Gitarre entstehen. Wie läuft der Enstehungsprozeß für einen Kasper Hate Song ab?

Björn P.: „In der Regel schreibe ich zuerst den Text und setze mich dann an die Gitarre, um die Gesangsmelodie zu machen. Erst wenn die steht, setze ich mich an die elektronische Vertonung. Mit Gitarre fällt es mir schlichtweg leichter, eine Melodie zu schreiben. Alleine durch die Grunge- und Bandvergangenheit und auch dem geschuldet, dass ich seit mehr als 25 Jahren Gitarre spiele, liegt es für mich einfach nahe, Melodien oder Songs mit der Gitarre zu komponieren. Auch wenn sie dann spätestens mit dem Produktionsprozess in eine ganz andere Richtung gehen. Bei Thorsten ist es genau andersherum. Da stehen die Instrumentale bereits, wenn ich mich an den Text und den Gesang setze. Den letzten Schliff an den einzelnen Songs und das Mastering machen wir in der Regel zusammen.“
 
CA: „Hast du Vorbilder in der elektronischen Musik?

Björn P.: „Vorbilder direkt wüsste ich jetzt nicht. Fasziniert und definitiv auch geprägt haben mich Bands wie The Prodigy, The Chemical Brothers, Underworld oder auch die gesamte Trip Hop Bewegung mit Bands wie Portishead, Massive Attack, Lamb oder auch Tricky. Später dann auch maßgeblich gerade die ersten Alben von The Knife und Fever Ray.“

CA: „Ein Schlusswort von dir an die Leser dort draußen.“

Björn P.: „Kauft unser neues Album! Achja, und Hass ist scheiße. “

Kasper Hate – LooP
Kasper Hate- Lust
Kasper Hate – Lighthouse (SOS)
Kasper Hate – Goacoma
Kasper Hate – Half Wolf Half Man

LooP Tracklist:

  1. Enigma
  2. Half Wolf Half Man
  3. We Are The Horrible People
  4. Rodeo
  5. Lust
  6. Spaceman
  7. Goacoma
  8. Sgnjor Gharash
  9. Lighthouse
  10. Neon Thriller
  11. Bristol
  12. Crossroads

Links:

Website: https://www.ihatekasper.com/

Instagram: https://www.instagram.com/kasperhatemusic/

Facebook: https://www.facebook.com/KASPERHATE

YouTube: https://www.youtube.com/channel/UCrqcRT5z9oDph0n_cMCCzng

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